Auf was achten Investor*innen?

Venture-Capital-Finanzierung durch Investor*innen

Wenn die Idee erstmal steht, geht es bei Startups schnell um die Finanzierung. Bei den vielen Möglichkeiten die man als Gründer*in heutzutage hat, gehören Venture-Capital-Finanzierungen zu einer der beliebtesten. Aber wie geht man diese Hürde am besten an?

 

Ausgangslage

Zunächst sollte man die Ausgangslage nachvollziehen. In der Regel entscheiden bei VC-Gesellschaften Investment-Manager*innen, ob ein Investment getätigt wird oder nicht. Dabei handelt es sich nicht um eine einfache Entscheidung, da bei größeren Gesellschaften teilweise ein paar tausend Businesspläne pro Jahr eingeschickt werden. Wie also arbeiten Investmentmanager*innen und Investor*innen und wie kannst du sie überzeugen?

 

Schritt 1: Die richtigen Investoren*innen ansprechen

Zunächst gilt hier das Stichwort: Recherche.

Generell arbeiten Investment-Manager*innen alle unterschiedlich und jede*r hat unterschiedliche Schwerpunkte, auf die er oder sie sich fokussiert. Hier spielen vor allem zwei Aspekte eine Rolle: Auf der einen Seite geht es um den thematischen Schwerpunkt und auf der anderen Seite um die Arbeitsweise. Bei dem thematischem Schwerpunkt geht es um die Investments die bereits gemacht worden sind. Oft entscheiden sich Investoren*innen für einen Markt (zum Beispiel den Energiemarkt) und entwickeln in dem Bereich spezifisches Fachwissen, damit sie bei einer Investition besser abschätzen können, ob diese sich lohnt oder nicht. Bei dem Arbeitsschwerpunkt geht es darum, was für den oder die Investor*in eine höhere Gewichtung hat: der Markt, das Produkt oder das Team?

Diese Frage ist ein viel umstrittenes Thema. Manche sagen, dass das Team der wichtigste Faktor sei, manche sprechen vom Produkt. Doch lässt sich hier nicht eine klare Reihenfolge definieren, denn jeder Aspekt ist wichtig. Damit eine Investition getätigt wird, sollte man mit einem großen Markt, einem sinnvollen Produkt und einem talentierten Team überzeugen können. Aber wie im letztem Abschnitt erwähnt, haben Investor*innen unterschiedliche Präferenzen, was die Priorisierung angeht. Es gibt zunächst die Strategen*innen, welche sich auf bestimmte Märkte spezialisieren und hier die besten Chancen entdecken. Dann gibt es die Investement-Manager*innen, die besondere technische Kenntnisse besitzen und sich deswegen verstärkt auf die Problemlösung konzentrieren. Bei ihnen kann somit das Produkt bei der Frage der Investition eine verstärkte Rolle spielen. Zuletzt haben wir die Menschenkenner*innen, welche ein Talent dafür haben, Menschen mit Potential zu identifizieren. Diese beiden Aspekte (thematischer Schwerpunkt und Arbeitsweise) lassen sich von vornherein gut recherchieren, sodass man nicht wahllos Investor*innen anspricht – denn das ist nicht gerne gesehen. Dies bringt uns zum nächsten Punkt: Der erste Eindruck.

 

Schritt 2: Der richtig erste Eindruck bei Investor*innen

„Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“ ist ein übliche Redewendung, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Besonders bei Investor*innen ist dieser wichtig, da die Zusammenarbeit auf starkem Vertrauen basiert. Deswegen ist der ideale Erstkontakt die Empfehlung durch gemeinsame Bekannte aus dem Netzwerk der Investment-Manager*innen. Das zeigt zunächst soziale Kenntnisse, da sich die Gründer*innen im sozialen Netzwerk bewegen und aktiv Kontakte suchen. Zudem bekommt das Startup durch den gemeinsamen Kontakt zusätzlich noch einen ersten Vertrauenszuschuss, welcher die Chance auf ein persönliches Treffen erhöht.

Teilt man mit den Investor*innen aber keine gemeinsamen Kontakte, bedeutet dies auch nicht das Ende, denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit ihnen in Kontakt zu treten. Da wäre die Möglichkeit per E-Mail, am Telefon, über soziale Medien (zum Beispiel LinkedIn), per Post oder auf Events und Meetups. Hier gibt es keine beste Variante, denn auch hier gibt es unter Investor*innen unterschiedliche Präferenzen (Stichwort: Recherche). Wichtig ist hier, dass nicht ohne vorherigen Kontakt der Businessplan geschickt wird. Informiert euch über eure Investor*innen und findet einen Vorwand für die erste Kontaktaufnahme. Vielleicht bloggt er oder sie, hält Präsentationen oder gibt Kurse. Kurz gefasst, zeigt Interesse und zeigt insbesondere, dass ihr euch gut informiert habt.

Doch nicht nur die Kontaktaufnahme sollte gut geplant sein, auch das Image des eigenen Startups sollte stets beachtet und gepflegt werden, denn wenn sich ein Startup schlecht benimmt, spricht sich das schnell in der Szene rum.

 

Schritt 3: Investor*innen eure Idee präsentieren

Bekommt ihr nun die Chance, eure Idee zu präsentieren, sollte dies auch nicht willkürlich geschehen, sondern einer ausführlichen Vorbereitung folgen. Meistens befassen sich Investor*innen als erstes mit eurem Pitch-Deck. Hier ist es wichtig, dass keine formellen und gestalterischen Defizite zu finden sind. Hierfür könnt ihr euch online viele Vorlagen anschauen, zum Beispiel diese Liste von t3n. Empfehlenswert ist zusätzlich vor der Executive Summary eine Short Summary zu setzen, damit die Investor*innen schnell euer Team, eure Idee und den Markt erfassen können. Diese drei Punkte sollten auch der Fokus eures Businessplans sein. Zeigt, dass ihr ein fähiges Gründerteam mit spezifischen Qualifikationen seid, aber betont auch eure sozialen und personalen Fähigkeiten, wie ein starkes Verantwortungsbewusstsein, ein überzeugendes Verkaufstalent und Kommunikationsstärke, damit die Investor*innen sehen, dass die Kundenbeziehung bei euch in guten Händen liegt. Wenn ihr dann anschließend das Produkt beschreibt, achtet darauf, dass auch Laien eure Idee verstehen. Denn Investment-Manager*innen sind eher Generalisten auf ihrem Gebiet und nicht Spezialisten. Zählt also nicht spezifische, technische Details auf, sondern fokussiert euch auf den USP (Unique Selling Point). Der dritte Punkt wäre der Markt: Zeigt hier das Potential und die Skalierbarkeit eurer Idee. Unterstützt das Ganze mit einer SWOT-Analyse, in der ihr die Chancen eures Projektes hervorheben könnt.

 

Schritt 4: Die Zusammenarbeit

Nun da ihr inhaltlich vorbereitet seid, ist noch der richtige Umgang mit Investor*innen zu beachten. Hier zwei Tipps:

  1. Bleibt ehrlich: Viele Gründer*innen haben nach dem Erstkontakt Angst, dass das Produkt trotz der Chance nicht finanziert wird und fangen an mit den Zahlen zu übertreiben. Natürlich solltet ihr euren Markt günstig darstellen, aber es sollte im Rahmen bleiben und realistisch sein. Denn die Zusammenarbeit ist langfristig und Investment-Manager*innen wollen nicht bei jedem Treffen zwischen realistischen und verschönten Zahlen differenzieren müssen. Bleibt also ehrlich.
  2. Fokus zeigen: Versucht nicht anzugeben, mit Sätzen wie: „Ich habe so unglaublich viele Projekte. Ich kann es kaum abwarten bis alle durchstarten“! Denn das kommt gar nicht gut an. Die VC-Gesellschaften möchten sehen, dass ihr fokussiert am Startup arbeitet, sodass die Investoren*innen wissen, dass mit ihrem Investment gut umgegangen wird.

Darüber hinaus, gibt es auch eine Liste von Dingen, die ihr lieber unterlassen solltet bei der Zusammenarbeit:

  1. Unsachlichkeit
  2. Streit im Team vor den Investor*innen
  3. Arroganz
  4. Unvorbereitet sein (zum Beispiel Zahlen nicht im Griff haben oder über Markt/Konkurrenten nicht informiert sein)
  5. Small-Thinking: Investoren wollen in vielversprechende Startups mit Wachstumspotenzial investieren

Fazit

Als Zusammenfassung sollten drei Stichpunkte in Erinnerung bleiben: Recherche, Vorbereitung und  Professionalität. Wenn ihr diese drei Punkte beachtet und auch nach ihnen handelt, sollte es für euch kein Problem sein, Investoren zu finden.

Wir wünschen euch viel Glück bei eurer Suche!