Mitarbeiterbeteiligungen in Startups

So funktioniert's

Mitarbeiter am eigenen Startup zu beteiligen, ist vor allem in den USA ein weit verbreitetes Thema. Doch auch immer mehr deutsche Start-ups interessieren sich dafür, ihre Mitarbeiter mit Anteilen am eigenen Unternehmen zu belohnen. Die Gründe dafür sind vielfältig:

80 Prozent der Startups geben an, durch die Beteiligung Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen binden zu wollen. Außerdem meinen 79 Prozent, dass Unternehmensbeteiligungen eine Motivation für Mitarbeiter darstellen und das Engagement der Teammitglieder fördern. Fast die Hälfte der Befragten sieht die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen sogar als ihre moralische Pflicht an.

Was auch immer dich dazu bewegt, dich mit Mitarbeiterbeteiligungen auseinander zu setzen: In diesem Artikel erklären wir dir, wie Mitarbeiterbeteiligungen funktionieren und welche nachgewiesenen Effekte sie für Unternehmen haben.

 

Was ist ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm?

Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich bei einem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm um die Absicht, die Mitarbeiter eines Unternehmens am Unternehmen und seiner Entwicklung zu beteiligen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die drei bekanntesten Möglichkeiten für ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm sind der Erwerb von echten Anteilen am Unternehmen, die in den USA häufig verbreiteten Aktienoptionen und sogenannte Virtual Stock Options, die auch als Phantom Shares bezeichnet werden. Eine Innovation im Bereich der Unternehmensbeteiligungen stellen zudem digitale Wertpapiere dar, welche auch für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme genutzt werden können.

 

Mitarbeiterbeteiligung mit echten Unternehmensbeteiligungen

Eine Möglichkeit, um Mitarbeiter am Unternehmen zu beteiligen, ist eine direkte Beteiligung. Dabei wird die Eigenkapitalbeteiligung im Handelsregister hinterlegt. Es handelt sich dabei um eine klassische Unternehmensbeteiligung. Allerdings kann sich die Ausgestaltung der Beteiligungsverträge stark unterscheiden. Teilweise werden Gewinnbezugsrechte bei Mitarbeitern erhöht und Mitspracherechte verringert. Die Vertragsgestaltung ist hoch individuell und geht daher mit hohen Anwaltskosten einher. Um den Mitarbeiter direkt zu beteiligen, also als Gesellschafter aufzunehmen, müssen alle Gesellschafter zu einem Notartermin erscheinen. Der Zeit- und Kostenaufwand ist sehr hoch, weshalb die direkte Beteiligung von Mitarbeitern eher selten ist.

 

Aktienoptionen als Programm für die Beteiligung von Mitarbeitern

Eine weitere Möglichkeit der Mitarbeiterbeteiligung bieten Aktienoptionen (engl. stock options). Hierzu muss das Unternehmen allerdings die Rechtsform einer Aktiengesellschaft inne haben. Bei Aktienoptionen erhält der Mitarbeiter das Recht, zu einem späteren Zeitpunkt oder innerhalb eines fest definierten Zeitraumes Aktien zu einem zuvor bestimmten Preis zu kaufen. Dieser ist oftmals stark vergünstigt. Die Option bezieht sich darauf, dass er diese Aktien zu einem bestimmten Zeitpunkt kaufen kann, aber sie nicht zwingend kaufen muss. Er kann seine Option also bei positiver Wertsteigerung in Aktien wandeln. Falls er seine Option nicht in Aktien wandelt, wird der Betrag erstattet, der gegebenenfalls zuvor gezahlt wurde. Sofern der Mitarbeiter seine erworbenen Aktien direkt wieder verkauft, muss die Aktienoption als Erfolgsbeteiligung angesehen werden, da er nach dem Verkauf nicht mehr mit Eigenkapital am Unternehmen beteiligt ist.

 

Der Einsatz von Virtual Stock Options in Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen

Als dritte Möglichkeit bietet sich der Einsatz sogenannter Virtual Stock Options an, welche als virtuelle Beteiligungen am Unternehmen zu verstehen sind. Sie werden häufig auch als Employee Stock Option Plan (ESOP) oder Phantom Shares bezeichnet. Bei dieser Variante der Mitarbeiterbeteiligung beteiligt das Unternehmen seine Angestellten nicht als Gesellschafter, wie es bei der echten Unternehmensbeteiligung der Fall ist, sondern ausschließlich in finanzieller Hinsicht. Meist ist dabei eine Beteiligung am Verkaufserlös des Unternehmens gemeint. Es eignet sich daher in besonderem Maße für Startups, die klassisch Venture-Capital-finanziert sind.

Die Beteiligung findet über einen Vertrag statt, bei dem dem Mitarbeiter im Fall des Unternehmensverkaufs ein gewisser Prozentsatz am Erlös garantiert wird.

 

Digitale Wertpapiere als Beteiligungen für Mitarbeiter

Eine innovative Möglichkeit Mitarbeiter am Unternehmen zu beteiligen, bietet eine neue Form von Unternehmensbeteiligungen: Digitale Wertpapiere bilden Unternehmensanteile digital auf der Blockchain ab. Diese Unternehmensbeteiligungen können standardisierte Verträge enthalten, die Mitarbeitern eine vollständige ökonomische Partizipation am Verkaufserlös des Unternehmens und den Gewinnausschüttungen an die Gesellschafter garantieren. Mitspracherechte erhalten die Mitarbeiter bei dieser Variante jedoch nicht.

Im Prinzip sind die digitalen Wertpapiere den zuvor genannten Virtual Stock Options sehr ähnlich. Sie haben aber einige Vorteile:

  • Im Gegensatz zu Virtual Stock Options benötigt weder das Unternehmen noch der Mitarbeiter einen Papiervertrag.
  • Im Gegensatz zu echten Unternehmensbeteiligung benötigt man auch keinen Notar.
  • Die technische Infrastruktur der digitalen Wertpapiere basiert auf der Blockchain-Technologie, wodurch hohe Sicherheit gewährleistet ist.
  • Die Abbildung der digitalen Wertpapiere auf der Blockchain macht die Unternehmensanteile einfach übertragbar.

 

Mitarbeiterbeteiligungsprogramme in Deutschland

Klingt doch gar nicht so kompliziert, oder? Doch woran liegt es, dass Mitarbeiterbeteiligungen in Deutschland im Vergleich zu den USA weniger häufig genutzt werden? Ein Grund könnte darin liegen, dass erste Mitarbeiterbeteiligungsprogramme in Deutschland erst wesentlich später überhaupt genutzt wurden. Auch der geringe Steuerfreibetrag für Mitarbeiterbeteiligungen könnte ein regulatorischer Grund sein, welcher Mitarbeiterbeteiligungsprogramme in Deutschland hemmt. In den USA wird die Mitarbeiterbeteiligung zudem häufig als Altersvorsorge genutzt. Diese Möglichkeit wird durch die gesetzliche Rente in Deutschland häufig unterschätzt.

 

Zahlreiche Studien zeigen Effekte von Mitarbeiterbeteiligungen

Zu Beginn des Artikels haben wir bereits Gründe aufgezeigt, weshalb Startups Mitarbeiterbeteiligungen nutzen. Deshalb haben wir einmal recherchiert, ob die erwünschten Effekte tatsächlich eintreten:

Wie einige Studien zeigen, wächst durch Mitarbeiterbeteiligungsprogramme die Verbundenheit zwischen Mitarbeitern und ihren Unternehmen. Dies kann sich auch auf die Fluktuation in Unternehmen auswirken, denn durch ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm erhöht der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer die Kosten in Bezug auf einen Unternehmenswechsel. Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass Beteiligungsprogramme das unternehmerische Denken und Handeln von Mitarbeitern fördern. 

Ein weiterer Effekt ist zudem für Startups sehr interessant: Durch Mitarbeiterbeteiligungsprogramme erhöht sich die Attraktivität eines Arbeitgebers. Deshalb können sich Startups im besonderen Maße durch ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm als Leistungsversprechen für ihre Angestellten von etablierten Playern abgrenzen und hochqualifizierte Teammitglieder gewinnen.