#rp19: 8 Denkanstöße für die Digitalisierung

Benedikt und Inga-Marit sind Teil unseres Marketing-Teams und haben vergangene Woche die re:publica 2019 in Berlin besucht – die Konferenz der Netzgemeinde. Acht Erkenntnisse, die sie auf der Konferenz mitgenommen haben, findest du in diesem Blogpost.

 

tl;dr - Das Motto der Republica 2019

tl;dr ist Internetslang und steht für “too long; didn’t read”. Es ist eine Anmerkung, mit der ein Redakteur eine Passage versieht, die zu lang geschrieben scheint und bei der er seine Aufmerksamkeit nicht auf dem Textstück halten kann. Die Idee der Republica-Macher? “Geht weg vom tl;dr-Trend – lasst uns im Netz doch einmal wieder genauer hinschauen”: Detailreichtum statt Oberflächlichkeit und Ausführlichkeit in Zeiten, die für viele Menschen schwer greifbar sind. Symbolisiert wird das Motto in den Hallen der Station Berlin durch die Installation einer 480 Meter langen Papierrolle, auf der der Roman Moby Dick von Herman Melville abgedruckt wurde. Melville gibt auf seinen über 800 Buchseiten Einblicke in die Welt des Walfangs im 18. und 19. Jahrhundert und nimmt dabei zahlreiche Exkurse in pseudowissenschaftliche, kunstgeschichtliche, philosophische und lyrische Sphären vor. Dies ist ein Hinweis auf die erste Erkenntnis, die wir von der Republica 2019 mit zurück nach Hause nehmen.

 

1. Zu New Work gehört auch innere Diversität

Elly Oldenbourg, Senior Managerin bei Google, erklärt in ihrem Impulsvortrag zum Thema “New Work: An Inside Job”, dass die Gestaltung von New Work auch an uns selbst liegt und nicht etwas ist, was wir nur von unserem Arbeitgeber erwarten können. Besonders spannend fanden wir dabei das Konzept der inneren Diversität. Man könne das Konzept der Diversität aus dem Kollaborations-Kontext einmal auf sich selbst beziehen und fragen: “Was macht mich aus?”. Definiere ich mich ausschließlich über meine erwerbstätige Arbeit? Definiere ich mich über mein Privatleben und meine Familie? Oder ist die Definition meines Selbst nicht ein Komplex aus unterschiedlichen Aspekten meines Lebens. Dass Vielschichtigkeit und zahlreiche Interessen einen Menschen interessant machen, scheint offensichtlich. Sich dies immer wieder zu vergegenwärtigen ist eine Erkenntnis, die wir von der Republica mitnehmen.

 

2. Was macht ein Team erfolgreich? Psychologische Sicherheit!

Die Erkenntnis, dass diverse Teams in vielerlei Hinsicht bessere Ergebnisse bringen, hat sich inzwischen in zahlreichen Unternehmen etabliert. Spannend fanden wir einen Hinweis auf der Konferenz, der uns darauf aufmerksam machte, dass es noch weitere Erfolgsfaktoren gibt: “Erfolgreiche Teams zeichnen sich durch psychologische Sicherheit aus.” Das bedeutet: Wenn jeder so sein kann, wie er ist, minimiert dies die Angst vor Fehlern und die Wahrscheinlichkeit Risiken einzugehen steigt. Es zeigt auch, dass es nicht nur wichtig ist, wer Teil eines Teams ist, sondern wie die Teammitglieder miteinander interagieren, ihre Arbeit strukturieren und auf Beiträge des Gegenübers eingehen.

 

3. Sicherheit ist ein Aspekt, der zahlreiche Menschen verängstigt auf die Digitalisierung blicken lässt

Auch Janina Kugel, Personalvorständin bei Siemens, ist in ihrer Arbeit immer wieder mit den Veränderungen durch die digitale Transformation beschäftigt. Dabei trifft sie auf zahlreiche Menschen, die Angst vor der Digitalisierung haben. “Wer kann denn schon die Zukunft vorhersagen”, sagt die Managerin und sie betont, dass alle industriellen Revolutionen mehr Arbeitsplätze geschaffen als zerstört haben. Ein positiver Blick in die Zukunft und dabei anderen die Angst zu nehmen, ist eine weitere Erkenntnis, die wir von der Republica mitnehmen.

 

4. Wer mit dem exponentiellen Wandel Schritt halten möchte, muss kontinuierlich lernen

Du darfst nicht nur keine Angst vor der Zukunft haben; mit dem exponentiell verlaufenden Wandel geht auch einher, dass der Mensch sich kontinuierlich fortbilden muss. Die Siemens-Arbeitsdirektorin Janina Kugel sagt: “Wir müssen alle kontinuierlich lernen, denn das was wir heute wissen, ist schon morgen nicht mehr aktuell”. Sie fordert dies nicht nur als Aufgabe eines Individuums oder Ziel eines Unternehmens ein, sondern als Priorität einer Gesellschaft und dazu gehöre auch, Traditionen zu hinterfragen.

 

5. Financial consciousness: Die Wirkung meines Geldes

Da uns das Thema Disruption und Innovationsförderung am Herzen liegt, waren wir natürlich auf die Session “Grün gründet – digital-nachhaltige Geschäftsmodelle” besonders gespannt. Eine Erkenntnis, die wir daraus mitgenommen haben, ist der Hinweis von Jakob Berndt, Co-Gründer von Tomorrow, der sagt: “Es macht einen Unterschied, wie ich mein Geld investiere”. Denn ein Energiekonzern für fossile Brennstoffe stellt mit dem ihm zur Verfügung gestellten Kapital etwas anderes an als ein Unternehmen, das zukunftsfähige Energie fördert. Wohin wir Kapital führen und wie wir an bestimmten Stellen die Kapitalbereitstellung fördern können, ist eine Frage, die auch wir uns zukünftig häufiger stellen möchten.

 

6. Die Digitalisierung steigert die ökonomische Ungleichheit

Über den Bedeutungsgewinn der Finanzbranche sprach auch Prof. Dr. Miriam Rehm in ihrer Session “Digitalisierung, Finanzialisierung, Macht und Ungleichheit”. Die Professorin forscht im Bereich der Sozioökonomie mit dem Schwerpunkt der empirischen Ungleichheitsforschung. In ihrem Vortrag betont die Sozioökonomin den Einfluss der Vermögensverteilung auf wirtschaftliche und politische Macht. Außerdem zeigt sie, dass nur 11 Prozent aller deutschen Haushalte Aktien besitzen. Dies ist verhängnisvoll, denn mit der Digitalisierung gehe eine Finanzialisierung einher. Die Finanzmärkte würden dadurch an Bedeutung gewinnen und nur ein kleiner Teil der Haushalte in Deutschland kann an diesem Bedeutungsgewinn Teil haben. Eine These, die uns beschäftigt: Werden nur sehr wenige Menschen von der Digitalisierung profitieren?

 

7. “Europe doesn’t lack talent!”

Auch die EU-Kommissarin für Wettbewerb Margrethe Vestager beschäftigt sich mit Profiten. Auf der Republica sprach sie über Fairness und Wettbewerbsfähigkeit in einer digitalisierten Welt. Dabei handelte das Gespräch einerseits von den großen Marktspielern wie Google und Amazon, aber auch die kleinen Unternehmen wurden bedacht: “We are trying to push from European capital market. It should be there when you are going from start-up to scale-up. Europe doesn’t lack talent. If you look to the startup scene and the ecosystem, there is a different dynamic now than ten years ago. But we need scale and you need capital. And one of the things that has been holding European businesses back in the scale of process is the financing.” Unsere Erkenntnis aus Vestagers Aussage: Die Digitalisierung benötigt Disruption und in diesem Umfang braucht es Kapital und Unterstützung – auch in Form von Wissen.

 

8. Frauen im Technologiebereich brauchen Vorbilder

Frauen sind in der digitalen Transformation extrem unterrepräsentiert. Lediglich 24 Prozent aller Arbeitsplätze in der digitalen Wirtschaft sind von einer Frau besetzt. Umso wichtiger erscheint deren Förderung. Auch wir haben in unserem Unternehmen darüber nachgedacht und streben eine paritätische Teambesetzung an. Problematisch ist, dass nur wenige Frauen als Vorbilder im Technologiebereich große Bekanntheit besitzen. Aus diesem Grund erzählt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nun die Geschichten erfolgreicher Frauen im Technologiebereich – “Inspiration, keine Märchen”. Ein Storytelling, das uns gefällt und eine Wirkung hat.

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Ein Artikel von Inga-Marit NölleCommunications Manager, Cashlink Technologies GmbH