Digitales Vertragswesen mit Smart Contracts

Was ist ein Smart Contract?

Smart Contract bedeutet ins Deutsche übersetzt “intelligenter Vertrag”. Genau das ist auch die Idee, die hinter einem Smart Contract steckt: Er kann automatisch Ereignisse auslösen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt wurden. Das heißt, wenn eine Bedingung A passiert, tritt automatisch Ereignis B in Kraft. Zu kompliziert? Hier ist ein Beispiel:

Die Rolle des Smart Contracts in einer Lieferkette

Stell dir einmal die Automobilindustrie vor. Ein Hersteller produziert diverse Autos und muss somit zahlreiche Lieferketten überwachen, denn für die einzelnen Bauteile gibt es viele verschiedene Lieferanten. Mithilfe der Blockchain und dem Einsatz von Smart Contracts könnte die Transparenz dieser Lieferketten in einem dezentralen Netzwerk abgebildet werden. Das bedeutet: Auch der Lieferant einer Autoachse oder eines Sensors wird von zahlreichen Unternehmen beliefert. Wenn es bereits in diesem Lieferprozess zu Unwägbarkeiten kommt, hat dies auch Auswirkungen auf den Lieferprozess des Autobauers. Durch die Abbildung des gesamten Lieferantennetzwerks auf einer Blockchain könnte der Autobauer in Echtzeit über den Prozess der Lieferkette informiert werden. Dies ermöglicht eine sogenannte “Single Version of Truth”, da alle beteiligten Akteure im selben Netzwerk agieren. Auch zahlreiche Details, die sonst im Schriftverkehr geregelt werden, könnten über diese Blockchain und einen Smart Contract ablaufen. Insbesondere aufgrund der zunehmenden Globalisierung in den vergangenen Jahren steigt der Transparenzbedarf. Der Smart Contract könnte dabei beispielsweise Zahlungen im Netzwerk anweisen, sobald gewisse Lieferbedingungen erfüllt sind.

Die Rolle der Blockchain für den Smart Contract

Derzeit werden zahlreiche Smart Contracts auf der sogenannten Ethereum-Blockchain definiert. Es gibt jedoch auch weitere Blockchains, die einen Smart Contract realisieren können. Der Vorteil hierbei ist die Dezentralisierung des Blockchain-Netzwerks, welches dazu genutzt werden kann, dass die Smart Contracts schwer zu fälschen sind bzw. ein Zerstören des Vertrages sehr unwahrscheinlich machen. Durch die Automatisierung kann zudem keiner der Vertragspartner die Ausführung des Vertrags verhindern. Dies ist ein weiterer zentraler Vorteil. Während die Vertragskonditionen in einem herkömmlichen Vertrag niedergeschrieben werden, werden die Vertragskonditionen im Smart Contract auf einer Blockchain programmiert. Dies ermöglicht später seine automatische Ausführung aufgrund definierter “Wenn-Dann-Regeln”.

Einfach gesagt: Ein Smart Contract ist ein Vertrag, der automatisch ausgeführt wird, sobald bestimmte Ereignisse auf der Blockchain in Kraft treten. Falls du denkst, dass dies ein revolutionärer neuer Gedanke ist, irrst du. Der Informatiker Nick Szabo beschrieb die Urform des Smart Contracts bereits vor über 20 Jahren. Dass er nun zu neuer Popularität gelangt, ist auf den anhaltenden Blockchain-Trend zurückzuführen.

Der smarte Vertrag? Vorteile eines Smart Contracts

Aktuell ist das Hauptziel von Smart Contracts die Vermeidung eines Mittelsmannes wie beispielsweise eines Notars. Doch er hat noch zahlreiche weitere Vorteile, die wir kurz aufzeigen möchten:

✔️ selbst ausführend

Gerade haben wir es bereits angedeutet. Ein Mittelsmann, wie ein Notar, ist zur Ausführung des Vertrags nicht nötig. Der Vertrag kann durch die Programmierung selbst ausgeführt werden. Durch mögliche “Wenn-Dann-Konditionen” innerhalb des Smart Contracts spielen darüber hinaus Vertrauensbeziehungen eine untergeordnete Rolle.

✔️ schnell

Dadurch dass der Vertrag automatisch durchführbar ist, kann er außerdem schnell umsetzbar sein. Lange Wartezeiten bleiben durch die Automatisierung erspart. Vergleicht man den Smart Contract jedoch mit einer anderen IT-Architektur, ist die Durchführung auf der Blockchain eher langsam.

✔️unveränderbar

Der Smart Contract wird auf einer Blockchain abgebildet. Dies macht eine Fälschung oder gar vollständige Zerstörung des Vertrags unwahrscheinlich. Langfristiges Ziel soll hierbei eine höhere Vertragssicherheit gegenüber dem traditionellen Vertragsrecht sein.

✔️ dezentralisiert

Diese höhere Vertragssicherheit kommt nicht zuletzt dadurch zustande, dass der Vertrag in einem dezentralen Netzwerk zur Verfügung steht und somit zu einer hohen Wahrscheinlichkeit immer erreichbar ist.

✔️ Open Source

Durch den Source Code können die Vertragsbedingungen jederzeit von den Vertragsparteien eingesehen werden. Änderungen am Vertrag können nur innerhalb des vom Vertrag vorgesehenen Maßes vorgenommen werden. Diese Änderungen vermerkt der Ausführende darüber hinaus durch seine Signatur. Sie sind daher immer nachvollziehbar.

✔️ günstig

Der Smart Contract ermöglicht es, zahlreiche Transaktionskosten zu reduzieren. Beispielsweise können die Kosten für einen Notar wegfallen. Auch Opportunitätskosten, wie beispielsweise Wartezeiten, können durch die Nutzung eines Smart Contracts eingespart werden. Im Vergleich zu anderen IT-Systemen sind die Transaktionskosten auf der Blockchain jedoch vergleichsweise hoch.

✔️akkurat

Nicht zuletzt ist die Nutzung eines Smart Contracts akkurat, weil seine Umsetzung durch die Automatisierung garantiert ist. Ein Vorteil daraus ist beispielsweise der Ausschluss menschlichen Fehlverhaltens oder auch die Kontrolle durch nur eine einzige Instanz wie eine Behörde.

Zahlreiche Vorteile bringen auch Nachteile mit sich

Zahlreiche Smart-Contract-Verfechter nennen den Ausschluss menschlichen Fehlverhaltens als einen Vorteil. Komplett ausschließen kann man es jedoch aktuell auch bei Smart Contracts nicht. So könnte beispielsweise ein Bug auf der Umsetzungsplattform zu Schwierigkeiten führen. Ähnlich wird der Fall “The DAO” geschildert. Die Abkürzung steht für “The Decentralized Autonomous Organization”, welche als Risikokapitalfonds im Krypto-Bereich agieren wollte. Die Organisation sammelte dabei mittels Smart Contracts Investorengelder ein, die jedoch gehackt wurden. Durch eine Sicherheitslücke im Code konnte ein Hacker mehrere Millionen US-Dollar aus dem Fonds abziehen. Schuld daran war also nicht die Technologie selbst, sondern der fehlerhafte Code. Inzwischen haben sich Sicherheitsstandards und Audits etabliert, die das Auftreten von Bugs unwahrscheinlicher machen.

Neben Bugs dieser Art wird auch häufig die Komplexität eines Smart Contracts bemängelt. Er sei schwierig zu verstehen und man benötige viel Zeit, um den Source Code zu lesen und zu verstehen. Darüber hinaus ist die rechtliche Beurteilung von Smart Contracts aktuell noch ein Nachteil. Gerichte erkennen den Smart Contract nicht zwangsläufig als Vertrag an, weshalb derzeit ein zusätzlicher Papier-Vertrag beim Einsatz eines Smart Contracts notwendig ist.

In welchen Bereichen kann ein Smart Contract angewandt werden?

Ein Smart Contract kann in vielen Bereichen des Lebens zum Einsatz kommen. Beispielsweise könnte eine Lizenzverwaltung auf der Blockchain abgebildet und mithilfe von Smart Contracts gesteuert werden. Das bedeutet, dass ein Fotograf beispielsweise immer dann eine Zahlung erhält, wenn sein Bild verwendet wird.

Außerdem ist ein Smart Contract in zahlreichen Bereichen der Finanzbranche einsetzbar. So kann ein Smart Contract bestimmte Transaktionen abbilden, die unter definierten Bedingungen automatisch abgewickelt werden. Selbst Wahlen könnten mittels Smart Contracts durchgeführt werden, da die Blockchain verschlüsselt festhalten kann, wer zu welchem Zeitpunkt bereits für einen Kandidaten oder eine Partei abgestimmt hat.