Staatliche Kryptowährungen: Chance oder Hype?

Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel, von denen es bereits mehrere hundert unterschiedliche Währungen gibt. Während einige von ihnen den Hype wohl weniger überleben werden, sind andere für Investoren und Spekulanten gleichermaßen interessant. Da die Zahlungen dank der dahinter stehenden Technologie nicht manipulierbar sind, interessieren sich auch Staaten für staatliche Kryptowährungen. Hier erfährst du, welche Staaten sich zu diesem Thema bereits positioniert haben und welche Vor- und Nachteile derartige staatliche Kryptowährungen haben.

 

Diese Staaten haben sich bisher zu staatlichen Kryptowährungen positioniert

Auch wenn Deutschland eine digitale Währung für zu riskant hält und demnach nicht plant, eine solche einzuführen, gibt es Länder, die das durchaus für möglich halten. Viele Staaten kritisieren die Anonymität der digitalen Währungen und befürchten, dass sie keine staatliche Kontrolle mehr über Zahlungsflüsse haben. Andere Länder überlegen, selbst Kryptowährungen einzuführen und damit die Kontrolle über den Kapitalmarkt zu behalten. Entwickelt der Iran beispielsweise eine eigene Kryptowährung, kann er damit das Handelsembargo umgehen. Daher sind die digitalen Währungen nicht nur für große und zahlungskräftige Länder interessant, sondern auch für kleinere und wirtschaftlich schwächere. Kanada, China, Israel, Schweden, Norwegen, Thailand oder Großbritannien erforschen, welche Möglichkeiten staatliche Kryptowährungen bieten. Uruguay, Dubai, Iran und Singapur beispielsweise experimentieren mit staatlichen Kryptowährungen. Estland, die Schweiz, Hongkong und Deutschland stehen staatlichen digitalen Währungen eher kritisch gegenüber beziehungsweise lehnen sie ganz ab.

 

Diese Staaten haben bereits konkrete Erfahrungen mit Kryptowährungen gemacht

Im Senegal gibt die Bank seit Dezember 2016 den eCFA heraus. Noch früher gab Tunesien, als erster Staat überhaupt, die staatliche Kryptowährung eDinar heraus. Auf den Marshallinseln gibt es seit März 2018 den Souverän als Kryptowährung und in Venezuela seit Februar 2018 den Petro. In Ecuador wurde der Dinero Electrónico als eine der ersten staatlichen Kryptowährungen etabliert, doch nur kurze Zeit später wurde er wieder deaktiviert. Die Menschen im Land vertrauten lieber dem US-Dollar und waren noch nicht bereit, eine andere Währung anzuerkennen und als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Als Estland überlegte, eine staatliche Kryptowährung einzuführen, damit die überall auf der Welt lebenden Esten auf dieser Grundlage ihre Dokumente beglaubigen konnten, war es die Europäische Zentralbank, die darauf hinwies, dass in der Eurozone keine staatlichen Kryptowährungen gestattet sind.

 

Diese Staaten können hinsichtlich der Regulatorik als Vorreiter gesehen werden

Dank ihrer Transparenz und Unveränderlichkeit ist die Blockchain-Technologie auch für Regierungen eine attraktive Möglichkeit. Sie können die Kosten für ihre Währungen senken und gleichzeitig die Effizienz steigern. Staatliche Kryptowährungen sind beispielsweise in der Lage, das Fiat-Geld der Banken zu optimieren - ohne diese dafür ebenfalls notwendigen Regulierungen zu bieten. Sie eignen sich in der Regel eher für dezentrale Einsätze, als für einen Ersatz der eigentlichen Währung. Allerdings müssen die Versuche in jedem einzelnen Land genau betrachtet werden, wenn es darum geht, wie staatliche Kryptowährungen reguliert werden können. In Venezuela hat beispielsweise der Präsident Maduro die Banken angewiesen, den Petro, die dortige Kryptowährung, zu akzeptieren, auch wenn dieser in der realen Wirtschaft keine Akzeptanz hat. Mit dem in Dubai herausgegebenen EmCash können dagegen die Bürger über ihre Smartphones beispielsweise ihren Kaffee und andere tägliche Dienstleistungen abrechnen. In Südkorea soll in einer Provinz eine staatliche Kryptowährung ein bis dahin existierendes Gutschein-Programm ablösen.

 

Staatliche Kryptowährungen haben Vorteile

Gibt ein Staat seine eigene Kryptowährung aus und basiert diese auf der Grundlage der Blockchain, können die an dieser Zahlungsweise Teilnehmenden von den gleichen Vorteilen profitieren, wie sie allen Kryptowährungen eigen ist. Sämtliche Transaktionen verlaufen vollständig anonym, da für eine Zahlung oder einen Geldempfang lediglich die Krypto-Adresse benötigt wird. Staatliche Kryptowährungen sind damit ebenso anonym, wie es die Zahlung mit Bargeld ist. Da in Schweden der größte Teil der Zahlvorgänge bereits elektronisch abläuft, akzeptieren schon einige der dort ansässigen Händler kein Bargeld mehr. Das hat für die Kunden durchaus Vorteile: Sie können beispielsweise sicher sein, dass sie auch bei kleinen Beträgen bargeldlos zahlen können. Die Anzahl an Raubüberfällen geht deutlich zurück, da nichts mehr in den Kassen zu holen ist. Auch die Kosten für Ein- und Auszahlungen und die Verwaltung der Bargeldbestände wird minimiert. Eine staatliche Kryptowährung könnte weitere Vorteile bieten. Daher entwickelt Schweden ein Konzept für die eKrona, eine staatliche Kryptowährung. Befindet sich das digitale Geld unter der Oberaufsicht der Landes- und Zentralbanken, lässt es sich kaum noch mit den klassischen Kryptowährungen vergleichen. Beschäftigen sich die Staaten jedoch mit den Vorteilen dieser Coins, können sich für Bürger sinnvolle Möglichkeiten bieten. Staatliche Kryptowährungen wären ebenso sicher wie anderes Geld.

 

Die Nachteile staatlicher Kryptowährungen

Allerdings müssen sich die Bürger darüber im Klaren sein, dass Banken staatliche Kryptowährungen auch dazu verwenden können, negative Zinsen direkt vom Konto einzubehalten. Je nach den spezifischen Regulatorien kann die Anonymität, die symptomatisch für die Kryptowährungen ist, auch ausgehebelt werden. Zentralbanken können verlangen, dass die Bürger ihre Identität nachweisen müssen, wenn sie Transaktionen durchführen lassen wollen. Der ursprüngliche Gedanke hinter den Kryptowährungen war es, das bisherige Finanzsystem zu umgehen, nicht zuletzt, um alles demokratischer und unabhängiger zu machen. Doch gerade die Landes- und Zentralbanken gehören in einer Demokratie zum System und stehen nicht etwa außerhalb desselben. Zum Vorstand der Deutschen Bundesbank gehören daher neben dem Bundespräsidenten auch die Bundesregierung und der Bundesrat. Vom Volk gewählt, haben diese das Mandat zur Aufsicht und müssen diesem Auftrag auch nachkommen. Kommt es zu einer staatlichen Krise, können viele Regierungen auch direkt die Geschäfte der Zentralbank steuern, schließlich obliegt ihr auch die staatliche Kontrolle derselben. Im Fall der Deutschen Bundesbank funktioniert das allerdings nicht. Sie ist von den Weisungen der Bundesregierung unabhängig. Allerdings sind die Zentralbanken in der Lage, Krisen vorzubeugen, indem sie Zinsen erhöhen oder mehr Geld in den Umlauf bringen. Für die Sicherheit der Bürger sorgt dagegen das Gesetz: Die Einlagensicherung stellt sicher, dass im Fall einer Bankeninsolvenz die klassischen Einlagen der Sparer bis zu einer gewissen Höhe abgesichert sind und damit nicht in voller Höhe verloren gehen können. Ähnliches gilt für Wertpapiere mit der Anlegerentschädigung.

 

Fazit

Im Gegensatz zu den anonymen Transaktionen der klassischen Kryptowährungen können die Finanzen der Bürger mit Hilfe staatlicher Kryptowährungen besser kontrolliert werden. Es hängt daher von jedem einzelnen ab, ob der diesen vertraut. Bitcoins und Ethereum bieten dagegen die Vorteile, dass sich mit ihnen sämtliche staatlichen Kontrolle umgehen lassen.