Vitalik Buterin

Das Gesicht hinter Ethereum

Ethereum ist eine der größten und inzwischen auch ältesten Kryptowährungen der Welt. Ihr Erfinder Vitalik Buterin gehört zu den Galionsfiguren der Blockchain-Szene. Wie er zum Entwickler von Ethereum wurde und welcher Werdegang hinter einem der genialsten Männer der Krypto-Landschaft steckt, erfährst du hier.

 

Vitalik Buterin - eine Legende von Kindheitstagen an

Beim Blick auf Buterins Alter musst du nicht verzweifeln. Vitalik Buterin ist tatsächlich erst 1994 geboren, allerdings galt er schon in frühester Kindheit als hochbegabt. Nachdem seine Eltern aus Russland nach Kanada emigrierten, um einen besseren Job zu finden, fand Vitalik sich bereits in der dritten Klasse in ein Programm für Hochbegabte versetzt. Sein Talent wurde auf einer Privatschule in Toronto gefördert, auf der er auch seine Liebe zur Bildung entdeckte. Darüber hinaus förderten Vitaliks Eltern seine Fähigkeit, kritisch und analytisch zu denken. Doch die akademische Laufbahn stand nicht alleine im Zentrum von Buterins Jugend. Das junge Computergenie verbrachte größere Teile seiner Freizeit in Azeroth, der Welt, in der World of Warcraft spielt. Was nach einer spaßigen Anekdote klingen mag, hatte aber tatsächlich größere Auswirkungen auf Buterins Lebenswandel: Der auch spielerisch ambitionierte Buterin zockte "World of Warcraft" derartig intensiv bis sein digitales Leben aufgrund eines Updates zusammenbrach. Der Entwickler hatte einige Spezifikationen des Spiels so stark verändert, wodurch Buterins Performance so stark unter dem Update litt, dass er vor allem eine prägende Erfahrung mitnahm: Ein zentral verwalteter Service kann katastrophale Folgen für alle beteiligten User haben.

Zu Buterins frühen akademischen Erfolgen zählte etwa eine Bronzemedaille bei der Informatikolympiade 2012, die ihn auch dazu brachte, tiefer in die Blockchain einzusteigen. Für Vitalik Buterin bedeutete dies aber nicht nur schnöde Literatur. Vielmehr begann der junge Kanadier, sich mit den Köpfen hinter Kryptowährungen und Dezentralisierung zu treffen. Vitalik Buterin reiste dabei um die Welt und besuchte Läden in New Hampshire und Cafés in Berlin, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptierten. Sein Interesse beschränkte sich aber nicht ausschließlich auf berufliche Gründe, schließlich war Buterin leitender Autor des Blogs Bitcoin Weekly. Dies war zwar just jener Blog, der 2012 auch in den Druck ging und noch heute als erste seriöse Print-Publikation zum Thema Kryptowährung gilt. Doch der junge Kanadier wollte nicht nur über Bitcoin schreiben, er wollte den Bitcoin verbessern. Buterin war zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt.

 

Vom Autor und Entwickler zum Ethereum-Erfinder

Die ersten Details zu Bitcoin und der mathematischen Funktionsweise hinter der Blockchain lernte Vitalik Buterin noch von seinem Vater. 2013 begann er, in einem Whitepaper den Gedanken hinter Bitcoin um mehrere Ideen zu erweitern. Im Zentrum seines Whitepapers stand die Forderung nach einer Skriptsprache für die Anwendungsentwicklung. Buterin schickte sein Whitepaper zunächst an eine kleine Gruppe von Vertrauten, in der Hoffnung, kritisches Feedback zu erhalten und die Fehler in seinen Gedankengängen ausmerzen zu können. Kritik aber blieb aus, stattdessen erhielt der 17-Jährige ausschließlich positives Feedback und
Anfragen zu einer weiterführenden Kooperation. In die Bitcoin-Blockchain ließ sich Buterins Skriptsprache aber nicht integrieren. Was also blieb Buterin übrig? Er entwickelte interdisziplinär mit Ökonomen und Softwareentwicklern kurzerhand eine neue Entwicklungsplattform. Bereits im Januar 2014 war es soweit und mit einigen Codezeilen schuf Vitalik Buterin eine neue Blockchain: Ein dezentralisiertes System zur Datenlagerung, das immer stärker genutzt wurde und an dessen Ende die heutige Ethereum-Kette steht. Der Öffentlichkeit stellten Buterin und sein Team die Ethereum-Idee auf einer Bitcoin-Konferenz in Miami vor, um wenige Monate später die ersten Ether-Tokens öffentlich zu verkaufen. Bereits dieser initiale Verkauf war überaus erfolgreich und setzte 31.000 Bitcoin (damals 18 Mio. USD) um. Das Geld wurde in die Gründung der Non-Profit Ethereum Foundation in der Schweiz gesteckt. Die Ethereum Foundation überblickt einerseits die Entwicklung der Open Source Software hinter Ethereum, andererseits erfreute sie sich auch eines publicityreichen Starts. Das erfolgreiche Crowdfunding ging durch die Medien und selbst Publikationen wie das Wall Street Journal verhalfen Ethereum und Buterin zum heutigen Ruhm.

 

Der Ethereum-Erfinder heute

Willst du mehr über Vitalik Buterin erfahren? Dann reicht bereits ein kurzer Blick auf die Website des Softwareentwicklers. Mit unnötigem Tand hat Buterin es nicht, entsprechend ist seine Seite (vitalik.ca) auch eine mehr oder minder lieblos arrangierte Auflistung von Artikeln. Solltest du dich davon abschrecken lassen? Keinesfalls, denn Buterins Seite und sein Schreibstil sind höchst interessant und helfen dir dabei, das Genie hinter der Ethereum-Blockchain etwas besser zu verstehen. Gleichzeitig ist Vitalik Buterin aber auch ein Mann des Understatements. Bei Auftritten würde er nicht unbedingt als reicher Exzentriker auffallen. Der hagere Buterin im schlichten T-Shirt würde wahrscheinlich eher darum gebeten werden, einige IT-Probleme zu lösen. Dabei sähe es ihm nicht einmal unähnlich, dies direkt umzusetzen.
Dezentralisierung und Blockchain sind für den Gründer der Ethereum Blockchain mehr als nur Buzzwords. Tatsächlich hadert Vitalik Buterin in Interviews immer wieder damit, wie präsent sein Name mit dem Ether verknüpft ist. Ein Beispiel: als das Internet im Juni 2017 das Gerücht verbreitete, Buterin sei verstorben, stürzte der Ethereum Preis ab. Ein eindeutiges Problem für den Kanadier, denn die Dezentralisierung widerspreche dem Gedanken einer strahlenden Leitfigur. Gerade wenn er die selbst ist und dadurch seine Freiheit einbüße. Dass die Lage sich aber bessert, das sieht Buterin als durchgehend positive Entwicklung. Eine Figur wie Satoshi für Bitcoin oder Torvalds für Linux wollte Vitalik Buterin ohnehin nie werden. Das bedeutet für Buterin aber auch, dass seine Position als Erfinder von Ethereum, als prominentes Gesicht hinter der Kryptowährung und als einer der Forbes 30 unter 30 (30 Persönlichkeiten unter 30, deren Tun und Talente die Welt verändern werden) in Konflikt zum Gedanken der Blockchain steht. Derzeit lebt Vitalik Buterin übrigens in Singapur und arbeitet und forscht nach wie vor an der Entwicklung der Ethereum-Technologie und auch daran, sich selbst obsolet zu machen. Das mag konträr klingen, passt aber genau in Buterins Mindset. Ziel seiner Arbeit ist es, weniger präsent sein zu müssen und die Ethereum-Plattform auf einen Stand zu bringen, der auf einem robusten, mathematischen Fundament steht. Skalierbarkeit, Optimierung und natürlich Sicherheit sind auch 2019 für Ethereum noch riesige Herausforderungen. Und vielleicht hat Buterin dann auch mehr Zeit, sich anderen Herausforderungen zu stellen. Dazu gehört auch eine tiefergehende Implementierung der Blockchain in unser alltägliches Leben. Selbst Buterin glaubt, dass es noch Jahre dauern wird, ehe die Blockchain-Technologie bereit ist, Apps wie Uber zu verwalten oder gar bargeldloses Zahlen komplett zu übernehmen. Aber Buterin ist auch nach wie vor, was er schon immer war - ein bescheidenes Genie in einem schlaksigen T-Shirt.