Venture Capital: Was sind die Vor- und Nachteile für dein Startup?

Venture Capital

Als Startup sollte man dem Begriff “Venture Capital” zumindest schon einmal über den Weg gelaufen sein. Aber für diejenigen, die sich noch nichts Konkretes darunter vorstellen können, hier eine kurze Erklärung:

Venture Capital kommt aus dem Englischen und kann ins Deutsche übersetzt werden zu “Wagniskapital” oder “Risikokapital”. Es ist Teil des Private-Equity Geschäfts und bezeichnet die Finanzierung eines jungen Wachstumsunternehmens, das nicht börsennotiert ist. Im Prinzip ist es eine Form der Entwicklungshilfe für eine Unternehmensidee. Das Ziel für die Startups ist offen ersichtlich. Doch auch die Venture Capitalists verfolgen ein Ziel: die Maximierung des eingesetzten Geldes. Dies geschieht meist jedoch erst nach mehreren Jahren – wenn überhaupt, denn die Investition verläuft nicht ohne Verlustrisiko. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit das gesamte eingesetzte Kapital zu verlieren. Deswegen suchen Investoren sich ihre Unternehmen mit Bedacht aus. Auch aus diesem Grund werden die Startups in der Regel nicht nur monetär unterstützt, sondern auch ideell, logistisch und beratend. Oft spielt auch das Netzwerk des Investoren eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung. Daher wird Venture Capital von vielen auch „Additive Value Capital“ gennant.

 

Die drei Stages der Venture Capital Investition

Eine Investition kann auf unterschiedlichen Stages (Stufe der Unternehmensentwicklung) stattfinden. Es gibt verschiedene Modelle über die Anzahl der Stages. Wir stellen dir eines mit drei Stages vor:

  1. Die erste Stage ist die “Seed-Stage”. Die Finanzierung heißt dementsprechend Seed-Finanzierung. Der Bedarf nach Kapital ist in der Regel nicht groß, es geht eher darum das Marktpotential des Unternehmens abzuschätzen und das Know-How des Investoren zu nutzen um die nächste Stage zu erreichen: die Early-Stage.
  2. Die Early-Stage Finanzierung zielt auf all die Prozesse nach der vollendeten Produktentwicklung. Das bedeutet, dass hier mehr Kapital von den Investoren benötigt wird.
  3. Die letzte Phase ist die Expansion-Stage. Hier geht es um die Förderung des Wachstums des Unternehmens.

 

Der Beteiligungsprozess

Momentan ist der Beteiligungsprozess noch sehr kleinschrittig. Von der Kontaktaufnahme bis zum Beteiligungsvertrag kann es oft Monate dauern. Dies ist jedoch nicht unbegründet, denn das Aufsetzen der Verträge, die Prüfung der wirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Situation braucht seine Zeit. Besonders für Neugründer kann es am Anfang schwer sein, den Überblick bei den Verträgen zu behalten. Ein Beispiel hierfür sind die Folgen allgemeiner drag along-, Vesting- oder tag-along-Klauseln. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich eine rechtliche Beratung einzuholen, damit man am Schluss nicht durch die Verträge ins Schwitzen kommt. Für den Anfang ist die Regelung folgender drei Dinge wichtig:Welche Einflussmöglichkeiten und Sicherheiten gelten für den Investor? Welche Einflussmöglichkeiten und Sicherheiten gelten für den Gründer? Wie ist der Ausstieg geregelt? Sind diese drei Dinge geklärt, ist das Startup auf der sicheren Seite.

 

Vorteile von Venture Capital

Der offensichtlichste Vorteil für das Startup ist die Kapitalbereitstellung, ohne dass eine Zins- und Tilgungszahlung geleistet werden muss. Dies führt zur Existenzsicherung des Unternehmens ohne Beeinträchtigung der Liquidität. Es kreiert somit auch eine stabile Ausgangsposition für Verhandlungen mit Fremdkapitalgebern, wie zum Beispiel Banken, oder auch öffentlichen Förderungen wie der KFW. Durch die Venture-Capital-Investition signalisiert das Startup die Tragfähigkeit seines Geschäftskonzeptes. Neben den finanziellen Vorteilen spielt die Management-Unterstützung des Investors selbstverständlich auch eine große Rolle. Denn neben der Expertise über Marktstruktur, Erfolgsfaktoren und Logistik, wirkt auch sein Netzwerk wie ein Multiplikator für das Startup.

 

 

Nachteile von Venture Capital

Wenn Startups Venture Capital aufnehmen, bedeutet das für sie eine erhebliche Einschränkung von Rechten. Einerseits werden Anteile des Unternehmens an die Venture Capitalists abgegeben. Andererseits sichern Beteiligungsverträge den Investoren im Gegenzug für ihre hohen Risiken umfangreiche Kontroll- und Mitspracherecht zu. Dies führt wiederum zu einem zu hohen Investor-Relations-Aufwand, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Zusätzlich verlangsamen sich die Entscheidungsprozesse des ganzen Unternehmens, da oft alle Investoren grundlegenden Entscheidungen zustimmen müssen. Hier gilt also: Je mehr Investoren, desto langsamer und ineffizienter arbeitet das Unternehmen.

Momentan dauert der Venture-Capital-Prozess außerdem noch sehr lang und involviert neben dem Investoren und den Gründern noch dritte Parteien, wie zum Beispiel einen Notar für die Vertragsprüfung. Zuletzt muss man immer im Hinterkopf behalten, dass das Ziel des Investors die Gewinnmaximierung ist. In gewissen Fällen können sich daher die Motivationen von Gründern und Investoren widersprechen, was zu Interessenkonflikten führen kann. Aus diesem Grund sollte man von Anfang an feste Richtlinien setzen – im Vertrag aber auch zwischenmenschlich.

 

Fazit

Solltest du nun als Startup an Venture Capital denken, um dein Unternehmen auf das nächste Level zu bringen? Trotz einiger Nachteile ist eine Venture Capital Finanzierung eine unglaubliche Starthilfe für Unternehmen und sollte nicht außer Acht gelassen werden. Denn wenn der rechtliche Rahmen feststeht und die Investoren und Gründer am selben Strang ziehen, birgt eine VC-Finanzierung großes Potenzial für beide Parteien.