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Die Tokenisierungs-Landkarte: Wer baut die Schienen für Europas digitale Wertpapierinfrastruktur?

Simon Censkowsky
Simon Censkowsky
Juni 17, 2026

Ein Überblick über die führenden Tokenisierungs-Engines in Europa und Großbritannien

Rechtlicher Hinweis: Die in diesem Dokument bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie stellen keine Rechts-, Finanz- oder Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie einen qualifizierten Fachmann, bevor Sie Finanzentscheidungen treffen.

Die Tokenisierung ist das zentrale Thema bei der Digitalisierung der Finanzmarktinfrastruktur. Was Larry Fink (BlackRock) predigt und die DTCC in den USA bereits aktiv aufbaut, wirft für Europa und Großbritannien eine entscheidende Frage auf: Wer bewegt hierzulande wirklich den Markt?

Zwar hat der deutsche CSD-Riese Clearstream seine D7-Plattform angekündigt, doch aufgrund einer mehrjährigen Roadmap wird eine vollständig realisierte, flächendeckend etablierte institutionelle Ebene erst schrittweise entstehen. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, ob etablierte Zentralverwahrer (CSDs) diesen Wandel vollumfänglich mitgehen oder versuchen werden, ihn mit ihren bestehenden Geschäftsmodellen zu vereinbaren.

Innerhalb des Fintech-Ökosystems hat sich unterdessen eine extrem agile Dynamik entwickelt. Diese treibt Innovationen voran und bietet effiziente Alternativen zur traditionellen Infrastruktur. Für Finanzinstitute, Vermögensverwalter und Web3-Unternehmen ist das Navigieren in dieser fragmentierten Landschaft eine strategische Herausforderung. Dieser Überblick bringt Licht ins Dunkel und zeigt die führenden Anbieter von Tokenisierungsinfrastrukturen in Europa (einschließlich der Schweiz) und Großbritannien auf, um die nötige Klarheit für die Bewertung der Emissions- und Abwicklungsschienen von morgen zu schaffen.

Die regulatorische Landschaft: Ein dreigeteiltes Spielfeld

Um die europäische Infrastrukturlandschaft zu verstehen, ist ein präzises Verständnis des rechtlichen Rahmens unerlässlich. Mehrere europäische Länder sowie die Schweiz haben fortschrittliche Gesetze geschaffen, die die native Emission von Wertpapieren auf der Blockchain erlauben – ein deutlicher Kontrast zu den aktuellen Entwicklungen in den USA. Während traditionelle und tokenisierte Wertpapiere gleichermaßen der EU-MiFID-Regulierung unterliegen, verteilt sich der rechtliche Rahmen für Emission, Abwicklung und Handel auf drei Säulen:

  • Regulierung von Emission und Registerführung:

Ein häufiges Missverständnis ist, dass die Emission von Wertpapieren unter das DLT-Pilotregime fällt. In der Realität wird dies durch nationales Recht geregelt. Länder wie Deutschland, Luxemburg, Spanien und die Schweiz haben Rahmenbedingungen für die native Krypto-Emission über regulierte Finanzdienstleister geschaffen:

    • Deutschland: Das Elektronische Wertpapiergesetz (eWpG) aus dem Jahr 2021 hat den Markt revolutioniert, indem es die Pflicht zur physischen Globalurkunde abschaffte. Es ersetzte diese durch ein dezentrales Kryptowertpapierregister für Anleihen, strukturierte Produkte, Namensaktien und UCITS-Fonds.
    • Schweiz: Das DLT-Gesetz bietet einen robusten und erprobten Rahmen für tokenisierte Aktien und Anleihen (Registerwertrechte).
    • Luxemburg: Das Blockchain-Gesetz IV bietet ähnliche Möglichkeiten und zielt insbesondere auf die Digitalisierung der großen luxemburgischen Fondsindustrie ab.
    • Spanien: Das ERIR-Framework (Enlace de Registro e Información Regulada) autorisiert Unternehmen, als digitale Registerführer zu agieren und tokenisierte Wertpapiere über ihren gesamten Lebenszyklus zu verwalten.
    • Großbritannien: Die FCA baut derzeit eine Digital Securities Sandbox auf. Diese ermöglicht es Unternehmen, DLT-basierte Handels- und Abwicklungsschienen unter modifizierten regulatorischen Bedingungen zu testen.
  • DLT-Pilotregime: Diese EU-Verordnung ermöglicht den Handel und die Abwicklung auf Blockchain-basierten Marktinfrastrukturen. Sie dient dem Aufbau und der Skalierung von Sekundärmärkten durch spezialisierte Anbieter wie beispielsweise 21x.
  • MiCA (Markets in Crypto-Assets): Diese Verordnung regelt Krypto-Assets, Stablecoins und wertpapier-referenzierte Token. Da sie keine MiFID-Finanzinstrumente reguliert, liegt sie streng genommen außerhalb des Fokus dieser Betrachtung. Dennoch spielt sie eine wichtige Rolle, sobald MiCA-konforme Stablecoins als Abwicklungsmedium (Settlement Asset) genutzt werden.

Vergleichsmatrix der Tokenisierungsinfrastruktur-Anbieter

 

Unternehmen

Heimatmarkt

Tokenisierungs-Angebot: Technologie vs. Finanzdienstleistung

Wichtige Partner

Primäres Wertversprechen

Cashlink

Deutschland

Finanzdienstleistung über eigene Krypto-Wertpapierregisterführer-Lizenz (BaFin-reguliert) + Tokenization-as-a-Service

KfW, DZ Bank, Tradias, Hyphe Markets, Bankhaus Metzler, NRW.BANK, Finexity, Helaba, WIBank

Aufbau eines europäischen Ökosystems aus Emittenten, Brokern, Verwahrern sowie Handels- und Abwicklungsplätzen, um DLT-basierte Kapitalmärkte zu skalieren.

Taurus

Schweiz

Reines Tokenization-as-a-Service-Angebot (Technologieanbieter)

Deutsche Bank, State Street, CACEIS

Krypto-Verwahrung und Emission auf institutionellem Tier-1-Bankenniveau.

Securitize

Spanien / USA

Finanzdienstleistung über die spanische ERIR-Lizenz

BlackRock, Hamilton Lane, KKR, Apollo

Ganzheitliche End-to-End-Emission und globaler Vertrieb von tokenisierten Assets.

Archax

Großbritannien

Tokenization-as-a-Service-Angebot + FCA-regulierte Krypto-Börse und Verwahrung

abrdn, Fidelity

Direkter Zugang zur britischen Digital Securities Sandbox und dem eigenen Handelsplatz.

Tokeny (Teil von APEX)

Luxemburg

Tokenization-as-a-Service-Angebot

ABN AMRO, Apex Group

Institutionelle White-Label-Infrastruktur für das gesamte Lifecycle-Management von Token.

Bitbond

Deutschland

Reines Tokenization-as-a-Service-Angebot

ABN AMRO, Tradevest

Entwicklerfreundliche, API-getriebene Tokenisierungsinfrastruktur für schnelle Integrationen.

NYALA

Deutschland

Finanzdienstleistung über eigene Registerführer-Lizenz (BaFin-reguliert)

Invesdor, Cometum

Registerführung und technische Abwicklung speziell für Crowdinvesting-Plattformen.

Ownera

Großbritannien

Reines Tokenization-as-a-Service-Angebot

Apex Group, J.P. Morgan, HQLAx

Vernetzung und Konsolidierung fragmentierter, institutioneller DLT-Netzwerke (Interoperabilität).

DigiShares

Dänemark

Tokenization-as-a-Service-Angebot

Investbay, paydas, Landinvest

White-Label-Investorenportale und Software zur Asset-Tokenisierung (Fokus auf Real Estate).

SWIAT

Deutschland

Tokenization-as-a-Service-Angebot + regulierte Registerdienstleistungen (BaFin-reguliert)

DekaBank, LBBW, Standard Chartered

Etablierung als das „SWIFT für digitale Vermögenswerte“ – ein regulierter, bankenintegrierter Abwicklungsstandard auf einer Permissioned-DLT.

 

Fazit: So wählen Sie Ihre technologische Infrastruktur

Die europäische Tokenisierungslandschaft hat die reine „Proof-of-Concept“-Phase längst hinter sich gelassen – wir befinden uns mitten im aktiven Kampf um Marktanteile. Die Wahl des richtigen Partners hängt maßgeblich von Ihren strategischen und operativen Zielen ab:

  • Für schnellen Marktzugang (Go-to-Market) & Ökosystem-Anbindung: Wenn Ihre Priorität auf einer regulatorischen Plug-and-Play-Lösung liegt, die sofort einsatzbereit und tief in ein wachsendes Netzwerk integriert ist, bieten regulierte Komplettanbieter wie Cashlink den effizientesten Weg.
  • Für geschlossene Inhouse-Systeme (Silo-Lösungen): Wenn Sie ein geschlossenes System aufbauen möchten (z. B. die Verrechnung bankinterner tokenisierter Vermögenswerte gegen tokenisierte Einlagen) und intern keine Entwicklungskapazitäten frei haben, empfiehlt sich der Einsatz reiner Tokenization-as-a-Service-Dienstleister.
  • Für den Fokus auf den britischen Markt: Wenn Sie gezielt das Ökosystem in Großbritannien erschließen wollen, sind Archax und Ownera die ersten Ansprechpartner, sobald die britische Sandbox dem dortigen Kapitalmarkt den breiten Umstieg auf die DLT ermöglicht.

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Simon Censkowsky

Head of Business Development

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